letzte Änderung 13.06.2011 16:44 Uhr Kapitel 1 - Neustruktur - 



INHALTSVERZEICHNIS

1. DIE KOMPLIZIERTE RECHTSANWALTSSUCHE



1. DIE KOMPLIZIERTE RECHTSANWALTSSUCHE

Eine Veräußerung von Finanzprodukten auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen wäre in etwa so. Ich habe ein altes gammliges Fahrrad zu verkaufen. Heute verkaufe ich das Fahrrad als Motorrad, übermorgen als Auto und überübermorgen als Flugzeug. Mein Pech ist nur, daß der Kunde den Schwindel gleich merkt und die Rechnung nicht bezahlt. Im Gegensatz dazu, erkennt der Anleger bei der Bank bis zur Rückzahlung, meist über Jahre hinweg, nicht, daß sein Flugzeug nur eine gammliges Fahrad ist. Und wenn es dann soweit ist, hat die Bank zuerst einmal das Geld. Der Kunde muß nun jahrelang und vielleicht über drei Instanzen für sein Recht kämpfen. Dabei ist es aber keinefalls sicher, ob der Kunde sein Recht erhält oder vielleicht noch mehr Geld verliert. Außerdem sind solche Prozesse sehr teuer.

Zuerst einmal muß der Anleger einen Anwalt finden, der sich mit der Materie auskennt. So gibt es Advokaten, die den Geschädigten dann nochmals rein legen und nur abkassieren. Außerdem haben teilweise die Anwälte keine Ahnung von dem Produkt. Wie sollte sie auch. Diese Finazprodukte sind zuerst neu entstanden. Ein Anwalt hat keine Zeit z. B. 2 1/2 Jahre zu recherchieren. Einen passenden Anwalt zu finden, ist fast wie ein Lotteriespiel.

Wer nun denkt, er könnte sich einen vergleichbaren Fall aussuchen, unterliegt einem Trugschluß. Zum größten Teil sind die Gerichtsurteile, inbesondere in brisanten Angelegeheiten, überhaupt nicht öffentlich ausgestellt. Und wenn überhaupt, dann heißt die Anleihe nicht "DZ Bank Cobold ..", sondern nur C.-Anleihe und die DZ Bank AG wird in D.AG umbenannt. Da weder Cobold, noch die DZ- Bank vorhanden ist, kann der Geschädigte bei einer Internetsuche nur schwer oder gar nicht ein vergleichbares Fall zu seinem Wertpapier finden. Zum Beispiel in Österreich werden alle Gesetze und Urteile ins Netz gestellt. In Deutschland ist dieses aber nicht möglich. Da haben die Bürger keinen Zugang zu solchen Unterlagen, s. Artikel von Spiegel Online

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,755813,00.html

Und wenn alle Beweise eindeutig sind, kommt es "notfalls" überhaupt zu keinem Urteil. Die Bank schließt dann einen Vergleich ab, daß der Geschädigte sogar die vollen Hundertprozent zurück erhält. So geschah es z. B. nach der Berufung zum Urteil des Landgericht Rottweil 3 O 345/08 bzgl. "Cobold 62". Ein Vergleich ist ein Schuldanerkenntnis. Dementsprechend hat die Bank zwar zu 100 Prozent die Schuld anerkannt. Damit der Fall aber nicht öffentlich wird und es kein Urteil gibt, tut man die Angelegenheit "still schweigend" mit einem Hundertprozentigen Vergleich ab.

Insbesondere werden in solchen Verträgen, zumnindest in den mir bekannten, Schweigeklausel eingebaut. D. h. wenn der Geschädigte über den Vergleich spricht, muß er eine hohe Strafe an die Bank zahlen.

Für meine Anwaltsuche benötigte ich rund ein Jahr. Ich bin Mitglied in einem Forum für "Lehman"-Geschädigte. Eine Rechtsanwältin stellte dort Kurzinformationen zu einem Urteil bzgl. Cobold-Anleihen vor, wobei der Kern sehr gründlich und treffend ausgearbeitet war. Es handelte sich zwar nicht exlplizit um die Anleihe, die ich besaß, aber die Cobold-Plus Anleihe ist von der Struktur so ähnlich. Vom zuständigen Gericht ließ ich mir das Urteil zusenden. Der Geschädigten-Anwalt war in dem Urteil entfernt. Auf meine weitere Nachfrage beim Gericht, durfte mir der Anwalt nicht bekannt gegeben werden. Es war zwar der volle Name der Kläger angegeben, aber der Rechtsanwalt blieb geheim.

Bei Eingabe des Aktenzeichens des Urteils im Internet, erschien dann eine Presseerklärung von einem ganz anderen Anwalt, der mit dem Rechtsstreit überhaupt nichts zu tun hatte. Von der Auslegung des Artikel her, dachten ich und auch die anderen Forumsteilnehmer, daß dieser Anwalt das Urteil erwikrte. Der Inhalt wurde in dieser Presseerklärung wesentlich anders dargestellt. Während der Kläger ein überwiegend sicherheitsorientierter Anleger ist, lautete nun die Überschrift: „Landgericht Bremen stellt sich schützend vor ertragorientierten Kapitalanleger“. Die Rendite bei bestimmten Cobold-Anleihen wird mit 14,25 % beschrieben, während sie in diesem Urteil noch nicht einmal 4,7 Prozent pro Anno betrug. Genau durch solle Medienmitteilungen entsteht in der Bevölkerung die Meinung, daß alle Geschädigten Zocker sind und an dem Geldverlust selber Schuld hätten. Auf meine Anfrage bei dem Anwalt, teilte er mir mit, daß er das Urteil nicht erwirkte und den Anwalt, der den Rechtstreit führte, nicht kennt.

Nun suchte ich mir aus dem Internet peau a peau alle mögliche Anwälte aus, die etwas mit Lehman-Brother zu tun hatten und schrieb diese per Mail an, ob sie das Urteil erwirkten. Nach etwa einem Monat und ca. der fünfzigsten Mail fand ich den Anwalt, der mich jetzt vertritt. Wie Einige wissen, geht die Geschichte meiner "aufregenden" Anwaltssuche" noch weiter, aber hier mache ich zuerst einmal einen "Punkt".