letzte Änderung 13.06.2011 17:14 Uhr Neustruktur




  KOMMENTAR ZUM BUCH "MARKT OHNE MORAL" VON "SUSANNE SCHMIDT" , DER TOCHTER VON HELMUT SCHMIDT (EHEMALIGER BUNDESKANZLER)

Meine Kommentare wurden dem "Thomas Karlauf" und "Knaur" Verlag zur Weiterleitung an Frau Schmidt zugestellt. Eine Adresse von Frau Schmidt, wohnhaft in Kent, England, konnte ich leider nicht ausfindig machen.


1. WIR SIND KEINE KLAGEWÜTIGEN ZOCKER!

Sehr geehrte Frau Susanne Schmidt, Sie vergleichen eine Geldanlage mit einem Hausbau oder einer Scheidung. So teilen Sie in ihrem Buch auf Seite 215 mit: "neutrale Berater müssen allerdings bezahlt werden, das wird die Rendite des Kunden etwas schmälern, aber es würde ja auch keinem einfallen, z. B. beim Hausbau den Architekten oder bei der Scheidung den Anwalt nicht zu bezahlen."

Sehr geehrte Frau Schmidt, wenn ich einer Bank mein Geld leihe, dann ist dieses nicht im Geringsten mit einem Hausbau oder einer Scheidung zu vergleichen. Ein Hausbau ist eine sehr aufwendige Sache. Das Haus muss konzipiert werden. Die Statik muss berechnet werden und der Architekt erstellt umfangreiche Baupläne, die Baumaterialien müssen stimmen, der Untergrund ist wesentlich, zahlreiche Vorschriften und Verordnungen müssen eingehalten werden, z. B. Zufahrtswege und etc..Auch eine Scheidung ist meistens hoch komplex. Da geht es um die Aufteilung von Kindern und deren Unterhalt, Rentenberechnungen, Vermögenszuwachs, Wohnungssplittung und etc.. Rechtsstreitigkeiten die Jahre andauern können.

Diese Materie ist nicht im Geringsten damit zu vergleichen, dass ich einer deutschen Bank mein Geld leihe. Hier erhalten ich einen festen Zinssatz und am Ende der Laufzeit mein Geld zurück. Eine total simple Struktur.

Des Weiteren teilen Sie in ihrem Buch mit, dass wir bei einer hohen Rendite auch ein höheres Risiko eingehen müssen. Sehr geehrte Frau Schmidt, das war einmal im letzten Jahrtausend, aber das gibt es schon seit langen nicht mehr. Auch ich lernte in meiner Bankausbildung das magische Dreieck kennen, mit je mehr Rendite, desto weniger Sicherheit.

Nicht nur die Wett-Anleihe haben diese geringe Rendite. Eine andere Form sind Hybridanleihen, die meist von Zweckgesellschaften heraus gegeben werden. Auch da gibt es Geschädigte, die teilweise sogar weniger Rendite bekamen, als bei einem sicheren Tagesgeld. In der Produktinfo, die die Geschädigten erhielten, steht noch nicht einmal aufgeführt, dass der Emittent nicht in Deutschland ist, sondern die Ausgabe von einer englischen Zweckgesellschaft erfolgte. Es wird auch nicht im Geringsten erwähnt, dass da die Kreditrisiken von faulen Kredite drin stecken. Trotzdem die Anleihe gem. schriftlichen Produktinfos schon seit 1990 angeblich existierte und in dem langen Zeitraum nie Verluste aufwies, ist aber die emittierende Gesellschaft zuerst 2005 entstanden und die Anlage selber wurde zuerst 2006 , also ganze 16 Jahre später, heraus gegeben. Bei dieser Anleihe verloren die Geschädigten rund 40 Prozent des investierten Kapitals und das für einen mickrigen Zissatz der sich aus dem Euribor + 0,8 Prozent p. a. zusammensetzt. Das waren in den letzten eineinhalb Jahren 1,6 bis 2 Prozent pro Jahr.  Bei anderen Hybridanleihen verloren die Anleger innherhalb kurzer Zeit zum Teil rund 90 Prozent des investierten Kapitals und das für einen mickrigen Zinssatz der momentan bei 2,719 Prozent liegt.

Und selbst mit den "berühmt berüchtigten" Lehman-Zertifikaten erzielten die Anleger größtenteils weniger Rendite als mit einer sicheren deutschen Bundesnleihe. Die meisten Lehman-Zertifikate verkauften die Banken mit dem schriftlichen Hinweis auf hundertprozentige Kapitalschutz am Laufzeitende, was die Leute glauben ließ, daß ihr Kapital ganz sicher ist. Genau deshalb gingen die Investoren auch davon aus, daß eine Sicherungseinrichtung besteht. Und für diese angebliche Sicherheit gab es auch nur eine kleine Rendite. Bei dem hundert Prozent kapitalgeschützten Zertifikat "Dow Jomes Euro STOXX 50 Absolut Performer" betrug die Rendite gem. den beiden im Prospekt aufgeführten Szenarien jährlich gerade mal 2,59 % bis 3,71 Prozent. In Wirklichkeit wäre es sogar noch weniger gewesen. Der Geschädigte erwarb im Juli 2006 das Zertifikat. Dabei erhielt er nach nur die abgebildeldete Produktinfo. Im Juli 2006 wies die Bundesbankstatistik für eine vier jährige sichere Bundesanleihe eine Renidte von 3,67 Prozent aus, mit Zinseszins wären das über 3,8 Prozent. Ausgabeaufschläge gab es bei Bundesanleihen nicht.

Ertrag Zertikat:  2,59 % bis 3,71 %

Ertrag sichere Bundesanleihe 3,67 %, mit Zinsseszins mind. 3,8 %

Der Ertrag einer sicheren deutschen Bundesanleihe war damit größer als der Gewinn von dieser unsicheren amerikanischen Zweckgesellschaft.

Sehr geehrte Frau Schmidt, Sie teilen auf Seite 78 mit, "Viel gefragt wurde auch nicht, wenn es um Zertifikate ging. Das sind höchst komplizierte, zum Teil hochriskante Produkte. Die hohe Rendite, die man damit erzielen kann, wird durch ein hohes Risiko erkauft." Auch in weiteren Abschnitten schreiben Sie immer wieder von einer hohen Rendite und den Spekulanten, die dann alles mitnehmen und so etwa jeden verklagen, wenn es schief geht.  In den Produktinfos stand mehrmals groß aufgeführt, daß das Kapital am Laufzeitende zu Hundert Prozent geschützt ist, also nichts schief gehen kann. Bei manchen Flyer waren die Wörter "Hundertprozentiger Kapitalschutz" dann auch noch fett gedruckt und groß geschrieben auf der Titelseite vorhanden. Ich persönlich betrachte das als Täuschung des Investors. Warum schrieben die Banken denn nicht "Kapitalerhalt", so wie es zutreffend ist und früher üblich war. Die Sparkassen waren sogar noch wesentlich "besser", als die Citibank. Diese Bank gab zusätzlich auf der Titelseite ganz groß "Sparkasse" an, so daß die Anleger von einem Zertifikat der Sparkassen ausgingen.

Ich bin in einem Geschädigten-Forum vertreten. Viele Anleger haben bereits schon etliches Geld verloren. Daher kenne ich zahlreichen Produkte. Aber alle diese hoch riskanten Produkte, wie Wettanleihen, Hybridanleihen, kapitalgeschützte Lehman-Zertifikate und etc. haben nicht im Geringsten ein hohe Rendite. Genau das Gegenteil ist der Fall. Trotz des enormen Risikos liegt die Rendite meistens unter einer sicheren laufzeitgleichen Bundesanleihe.

Nach meiner Überzeugung wird bewußt in den Medien manipuliert, daß alle Leute, die Geld verloren, Zocker sind und auf eine enorme Rendite spekulierten. Auch in meinem Bekanntenkreis ist diese Meinung vertreten.

Sehr geehrte Frau Schmidt, Sie teilen auf Seite 78 mit: "Da wurde auf der Suche nach der höchstmöglichen Verzinsung so lange im Internet gesurft, bis man schließlich auf der Kaupthing-Bank Island landete. Hinterher ist man immer schlauer....."

Auch hier wird von den Medien etwas gravierend verdreht. Das Festgeld war ein sehr transparentes Anlageprodukt mit einer Einlagensicherung von rund 20.000,00 pro Anleger. Die Anleger erhielten alle ihre Investitionen, wie es zugesichert war, bis zu diesem Betrag zurück. Es hatte sich nur etwas verzögert, da ausgerechnet die deutsche DZ Bank die Guthaben der Sparer in Island pfänden ließ.

Ich kenne eine Geschädigte, der wurde von einem Kundenberater eine Cobold-Wettanleihe und eine Hybridanleihe mit einer minimalen Rendite als ganz sicher verkauft . Gleichzeitig drehte der Kundenberater ihr als Beimischung noch ein kleines Zertifikat an. Als später wieder etwas Geld zur Verfügung stand, suchte sie sich selber übers Internet das transparente Festgeld der Kaupthing-Bank aus. Alle Produkte, die ihr der Kundeberater "aufschwatzte", erwiesen sich als Schrott und sie verlor enorm viel Geld. Die einzigste Anlage, wo diese Investorin kein Geld "in den Satz setzte" und die wesentlich mehr Rendite abwarf, war das Festgeld von der Kaupthing-Bank.

Ich persönlich habe alle meine Wertpapiere abgestoßen. Hier handelte es sich "nur" um Schuldverschreibungen von deutschen Banken und dem Bund. Wertpapierkäufe kommen für mich in Deutschland auf keinen Fall mehr in Frage. Aber ich bin noch nebenberuflich in einem Stiftungsvorstand tätig, wo ich vor Kurzem eine Produktinfo erhielt.

Selbst eine stink normale Schatzanleihe mit einer Rendite, die teilweise sogar wesentlich niedriger ist als ein Festgeld, ist heutzutage total undurchsichtig. Da schreibt z. B. die Deutschen Bank in ihrer Produktinfo "Emittent: Deutsche Bank AG, Frankfurt a. Main handelnd durch Deutsche Bank AG, London". Trägt der Anleger nun das sichere Emittentenrisiko der großen Universalbank in Deutschland oder eventuell einer Zweckgesellschaft mit Schrottpapieren in England? Selbst meine Befragung von Rechtsanwälten ergab unterschiedliche Ergebnisse.

Sie teilen zwar mit, dass das ganze Problem nur neutrale Berater lösen können, die der Anleger bezahlt.

Woher weiß ich aber, ob der Berater neutral ist, vielleicht kassiert er von beiden Seiten. Woher weiß überhaupt ein Laie, ob der Berater wirklich das richtige Wissen für diese immer komplizierter werdenden Produkte besitzt. Oder vielleicht wird der Berater von der emittierenden Bank auch für "dumm" verkauft, wie es ein paar Berater bei den Wett-Anleihen sogar zugaben. Wie sie selbst schreiben, sind wir alle mündige Bürger und den Kindergartenschuhen entwachsen. Dann setze ich aber von diesem Staat und der Politik voraus, dass ich mich in öffentlichen deutschen Medien richtig informieren kann und nicht gravierend belogen werde, wie es in Deutschland der Fall ist!!!

Früher, im letzten Jahrtausend gab es eine klare Struktur und es war für jeden etwas dabei. Wer auf Nummer sicher gehen wollte, kaufte Anleihen vom Bund und deutschen Banken. Etwas weniger sicher waren Unternehmensanleihen. Dann gab es noch die Fonds, wo auch kleine Beträge anlegt werden konnten. Spekulativ waren Aktien. Und wer ganz schnell reich oder arm werden wollte, erwarb Optionsscheine, die hatten dann eine mehrfache Hebelwirkung. Später kamen dann noch die Zertifikate hinzu. Alles war klar strukturiert und hundertprozentig richtig beschrieben. Heutzutage kann aber alles alles sein. Auf Grund der intransparenten und insbesondere gravierend falschen Informationen ist in Deutschland überhaupt kein Anleger in der Lage sich richtig zu informieren. Nicht ohne Grund hat sich England und Deutschland mit "Händen und Füßen" bis zuletzt gesträubt, einer europäischen Finanzaufsicht zu unterstehen.

Im Anlegerschutzgesetz war geplant, daß Verkaufsprospekte grundsätzlich im Internet ausgestellt werden müssen. So hätte sich der mündige Bürger zu Hause in aller Ruhe informieren können und wäre dann nur bei komplexen Produkten und evtl. auftretenden Fragen auf seinen Berater zugegangen. Oder der Anleger hätte überprüft, ob die vorgeschlagenen Produkte des Beraters im Internet auch diese Produkteigenschaften aufweisen. Plötzlich las ich in der Zeitschrift "der Spiegel", daß die Bankenlobby mit einer Einstellung im Internet nicht einverstanden ist. Ich trat diesem entgegen und schrieb an die Verbraucherschutzministerin, Frau Ilse Aigner, an die Partei "die Grünen", an den Vorstand des Bundsverbandes des Verbraucherschutzes und an etliche andere Einrichtungen. Alles umsonst, die Bankenlobby setzte durch, dass Verkaufspropekte nicht im Internet eingestellt werden müssen. Und genau das hat auch seinen Grund. So kann in Zukunft nämlich Keiner öffentlich mitbekommen, dass die Rückzahlung von Wett-Anleihen gem. schriftlicher Produktinfo der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) angeblich durch eine Sicherungseinrichtung abgesichert sind, wobei dieses gar nicht stimmt. So kann auch Keiner mitbekommen, daß eine Anleihe schon seit 1990 Zinsen zahlte, wobei die Anleihe zuerst 2006 entstand. Des Weiteren kann auch Keiner mitbekommen, daß einige Banken Wetten auf Kreditderivate erfanden, die dann Inhaberschuldverschreibungen heißen. Aber das ist noch nicht alles. In den über zwei Jahren Recherchieren habe ich auch weitere schriftliche Produktinformationen vorgefunden, die mit anderen raffinierten Tricks und gravierend falschen (m. E. betrügerischen) Darstellungen, dem Kunden eine ganz sichere Anleihe, zu Festgeldzinsen vortäuschen. Dem Erfindungsreichtum mancher Banken sind absolut keine Grenzen gesetzt.

Sehr geehrte Frau Schmidt, dafür haben die deutschen Bürger vielleicht ein Leben lang hart gearbeitet und eisern gespart. Das sind nicht Menschen, wie Sie schreiben, die mitnehmen, was sie bekommen können und wenn es schief läuft, vor Gericht ziehen. Meistens ziehen diese Geschädigten überhaupt nicht vor Gericht, weil sie keine Rechtschutzversicherung haben. Oftmals besitzen die Leute, die wirklich spekulierten, nur diese Versicherung. Und dann muß der Geschädigte auch zuerst einmal einen Anwalt finden, der sich damit auskennt. Die meisten Anwälte haben von diesen Produkten keine Ahnung. Wie sollten sie auch, die Anwälte haben nicht die Zeit und das Interesse, da zwei Jahre lang zu recherchieren.



2.
POLITIK OHNE MORAL

Sie teilen in Ihrem Buch auf Seite 216 mit: "Es wäre zu bedauern, wenn diese in den USA ausgeprägte Klagekultur auch auf Europa übergreifen würde." Des Weiteren führen Sie aus, daß in Zukunft eine bessere Regulierung des Finanzsystems stattfinden sollte.

Nur wie denn?

1. Strafanzeige:

Meine Strafanzeige wurde mit der Begründung abgelehnt, daß eine Schädigung nicht ersichtlich ist und man meine Unterlagen an die Bafin weiterleitete (meine Beschwerde bei der Staatanwaltschaft läuft noch).

Die DZ Bank hat durch diese Wett-Anleihen Zig-Millionen Gewinn gemacht.  Wie ich las, unterliegt die Bafin nicht dem Informationsfreiheitsgetz. D. h. wenn die Bafin jetzt die DZ Bank für ihr Verhalten rügen sollte, darf das noch nicht einmal die Öffentlichkeit erfahren. Diese, als Bankschuldverschreibungen getarnten Wetten auf Kreditderivate haben sich nach der Finanzkrise rasant vermehrt (Nachweis vorhanden). Wenn Jemand ganz risikolos Zig-Millionen Gewinn machen kann und dabei von staatlicher Stelle alles "tot geschwiegen" wird, so würde doch fast jeder sein Geschäft ausbauen.

2. Klage

Mein Geldverlust ist sehr minimal. Ich habe es deshalb bei Weiten nicht nötig, mich um diese "lächerliche Summe" jahrelang rum zu streiten. Mir geht es dabei einzig und allein nur um die Gerechtigkeit bzw. eine weitere schlimmere Krise zu verhindern. Aber selbst da werde ich in meinen Rechten beschnitten. Trotzdem nach ZPO §278 eine Güteverhandlung schon erfolgte und nach ZPO §348a die Sache grundlegende Bedeutung hat, wird dieser Sachverhalt vom Gericht ignoriert.

Für mich heißt es deshalb nicht "Markt ohne Moral", sondern "POLITIK OHNE MORAL"