letzte Änderung:  26.06.2011 Kapitel 2 -neu-





1. ANLEIHE (ZERTIFIKAT) MIT HUNDERTPROZENTIGEN KAPITALSCHUTZ

Zertifikat mit Kapitalerhalt:

Die Bezeichnung ist zwar irritierender Weise "Anleihe", aber im Detail handelt es sich um ein Zertifikat. Hier habe ich eins der „berühmt berüchtigten“ Lehman-Zertifikate analysiert. Zertifikate sind im Gegensatz zu festverzinslichen Anleihen von der Entwicklung von Indexen abhängig. Die Relation und der Index selber werden vorher festgelegt, das können z. B. Indexe auf Aktien oder Rohstoffe sein. Es gibt zwei verschiedene Arten von Zertifikaten. Früher sagte man dazu mit oder ohne Kapitalerhalt. Bei ohne Kapitalerhalt wettete der Anleger nicht nur auf einen Ertrag, sondern auch auf einen Teil des investierten Kapital. Also wenn sich die festgelegte Indexentwicklung für den Anleger negativ entwickelte, bekam er vielleicht nur noch 70 Prozent von seinem Kapital zurück. Entwickelt sich der Index positiv für den Anleger erhielt er vielleicht 130 Prozent. Mit Kapitalerhalt bedeutete, dass das Kapital der Anleger zu 100 Prozent erhalten blieb und je nach Indexentwicklung ein zusätzlicher Ertrag gezahlt wurde. Dieser war dann aber bei Weitem geringer, da das Kapital nicht angegriffen wurde und somit kein Verlustrisiko bestand. Nun muss es wieder einen „pfiffigen“ Kopf gegeben haben, der aus der zutreffenden Beschreibung “mit Kapitalerhalt“ „hundertprozentigen Kapitalschutz“ machte.

Gem. Wikipedia ist ein Schutz folgendes:

Als Schutz wird eine Aktion oder eine Vorkehrung gegen eine Bedrohung, gegen eine Unsicherheit oder mögliche unangenehme Ereignisse bezeichnet.“

Nur wo besteht denn bei den Zertifikaten eine Bedrohung oder Unsicherheit bei dem investierten Kapital, wenn die Bank mit dem Anleger einen Vertrag schließt und die Wette nur auf den Ertrag gerichtet ist. Die einzigste Bedrohung ist doch, dass der Emittent Pleite geht. Und genau deshalb gingen viele, insbesondere ältere Leute davon aus, daß das Kapital durch eine Sicherungseinrichtung geschützt ist. Etliche Anleger waren sogar davon überzeugt, dass das Kapital sicherer ist, als bei einer normalen Anleihe, da dort kein Kapitalschutz angegeben war.

Und es war sogar genau das Gegenteil der Fall. Das Kapital war in keinster Weise sicher. Es ist natürlich leicht alles auf eine falsche Bewertung der Ratingagenturen zu schieben. Lehman-Brother, bzw. die Tochtergesellschaft in Holland war aber keine Geschäftsbank, sondern eine Investmentbank, die verbriefte Kreditrisiken verkaufte. D. h. das Kapital der Anleger wurde nicht normal investiert, sondern der Anleger erwarb ein Kreditderivat, wo nur ein Zertifikat rauf gesetzt wurde. Außerdem trafen die strengen Regularien, die die Geschäftsbanken unterliegen, nicht auf diese Finanzholding zu. Aber genau das Wichtigste überhaupt, wurden den Zertifikatanleger verschwiegen. Stattdessen täuschte die Bank sie mit hundertprozentigem Kapitalschutz.


PRODUKT:

"Lehman"-Zertifikat mit Kapitalerhalt

http://gateway.mdgms.com/cdbi/file.pdf?ID_FILE=148233

gem. schriftlichen Informationen:

Name

Namen1
Realität:

Die Politik setzt voraus, das sich der mündige Bürger eingenständig informiert. Z. B. erhält (bzw. sollte erhalten) jeder Kunde, der ein Depot eröffnet, eine Grundaufklärung in Form der Übergabe einer Broschüre der Wertpapierbasisinformationen. Diese werden von allen Banken mir gleichem Inhalt ausgegeben. Wie soll ein Laie jetzt aber darauf kommen, daß er nicht in der Rubrik "Anleihen" nachsehen muß, sondern unter Zertifikate, wenn davon nichts aufgeführt steht und das Produkt "Anleihe" heißt.

gem. schriftlichen Informationen: Hundert

Realität:

So sind zahlreiche Leute davon ausgegangen, daß ihr Kapital am Laufzeitende geschützt ist. Dieses war aber nicht der Fall. Ich hatte sogar Produktinfos gesehen, da war der Hundertprozentige Kapitalschutz ganz groß auf der Titelseite angegeben. Die Sparkassen waren sogar noch wesentlich "besser", als die Citibank. Diese Bank schrieb zusätzlich auf der Titelseite ganz groß "Sparkasse", so daß die Anleger von einer Anleihe der Sparkassen ausgingen.

gem. schriftlichen Informationen: Fussnote   doppelte Vergrößerung

Realität:

Hier habe ich die Ausführung zu der Fußnote abgebildet. Trotzdem ich nah sehr gut sehen kann, hatte ich die Fußnote, die hinter dem "100 % Kapitalschutz am Laufzeitende" angebracht war, auf dem Druck nicht erkannt. Der gedruckte Prospekt, der so auch bei der Beratung vorgelegen haben soll, wurde auf rund 75 % "zusammen geschrumpft" und füllt zwei DIN A4-Seiten. Zuerst bei einer Vergößerung auf 150 % fiel mir dieses auf. Aber auch die Ausführung zu dieser Fußnote selber ist bei einer normalen Größe nicht zu lesen. Die Schrifgröße beträgt mikrige 4,5 Punkte. Das ist noch nicht einmal die Hälfte von einer üblichen Schriftgröße und davon dann noch 75 %. Hierzu braucht der Investor eine gute Lupe, um dieses überhaupt erkennen zu können. Ganz klein und dann auch noch unter dem Satz, daß die Rückzahlung am Laufzeitende zu 100 Prozent erfolgt, steht nun aufgeführt, daß die Rückzahlung am Ende von der Bonität der Emittentin bzw. Garantin abhängt.

gem. schriftlichen Informationen: Diagramm

Dieses Abbildung ist eine Vergrößerung von der Druckgröße 75 Prozent auf 100 Prozent.

Realität:

Zualledem wurde der winzige Text zu der Fußnote auch noch ganz geschickt plaziert. Darüber befindet sich ein Diagramm, was grau hervorsticht. Genau unter diesem Diagramm in einer Bündigkeit ist dann der klitzekleine Text der Fußzeile angebracht. Zuerst kann man den Text nicht lesen und nun denkt der Kundenberater oder Anleger auch noch, daß dieses unwichtig ist, da es eíne Erläuterung zu dem Diagramm sein muß. Zur weiteren Tarnung beginnt der erste Satz nun damit, daß die Rückzahlung am Laufzeitende zu 100 Prozent erfolgt. Erst in der zweiten Zeile wird in dieser nicht erkennbaren Mini-Schrift aufgeführt, daß die Rückzahlung am Ende der Laufzeit von der Bonität der Emittentin bzw. Garantin abhängt.

gem. schriftlichen Informationen: Kredit

Realität:

Warum wird ausgerechnet das Emittenrisiko nicht in der Rubrik "Risiken" aufgeführt, was doch am Wichtigsten ist. Unter Kreditrisiko und ohne weiteren Kommentar dazu, kann sich niemand etwas vorstellen. Inbesondere wo nachfolgend der Hundertprozentige Kapitalschutz nochmals groß betont wird.

gem. schriftlichen Informationen: Marktpreis

Realität:

Und nach diesem Hinweis mit dem Kreditrisiko, erfolgt dann wieder eine Information auf den hundertprozentigen Kapitalschutz, der am Laufzeitende zugesichert wird.

Rendite: Ausgabeauf

Szenario1

Rueckzahlung

Der Ertrag war an die Entwicklung des Dow Jones EURO STOXX 50 gekoppelt. In dem Prospekt sind 2 Szenarien aufgeführt. Einmal wenn der Index stark steigt, das weitere Mal wenn er stark fällt. Bei Szenario Nummer 1 erfolgt eine Rückzahlung zu 113,38 %. Also 13,38 Prozent über dem Einsatz. Sieht zuerst einmal enorm viel aus. Von den 13,38 Prozent gehen aber noch 3 % Ausgabeaufschlag ab, was dann den Ertrag auf 10,38 Prozent schmälert. Nun lief das Zertifikat aber über 4 Jahre, dementsprechend muß der Ertrag auf die 4 Jahre aufgeteilt werden, was einem jährlichen Gewinn von 2,59 % entspricht.

Szenario2

Rueckzahlung2

Szenario Nummer 2 sieht als Rückzahlungsbetrag 117,84 % vor. Abzüglich der 3 Prozent Ausgabeaufschlag liegt die Rückzahlung 14,84 % über dem Einsatz. Aufgeteilt auf 4 Jahre sind das 3,71 % jährlich.

Nun müßte man aber noch den verlorenen Zinseszins berechnen. D. h. wenn der Anleger eine normale Anleihe mit jährlicher Zinszahlung gekauft hätte, so hätte er den jährlichen Zinsertrag wieder angelegt. Da der Ertrag aber zuerst nach 4 Jahren ausgezahlt wurde, gingen die Zinseszinsen verloren.

Gem. dem Beispiel hat der Anleger eine jährliche Rendite von 2,59 % bis 3,71 Prozent. Der Geschädigte erwarb im Juli 2006 das Zertifikat. Dabei erhielt er nach seinen Angaben keinen Verkaufsprospekt, aber dieses sei nur nebenbei erwähnt. Im Juli 2006 wies die Bundesbankstatistik für eine vier jährige sichere Bundesanleihe eine Renidte von 3,67 Prozent aus, mit Zinseszins wären das 4,1 Prozent. Ausgabeaufschläge gab es bei Bundesanleihen nicht.

Ertrag Zertikat gem Szenarien:  2,59 % bis 3,71 % p. a. (in Wirklichkeit wäre der Ertrag noch wesentlich geringer gewesen).

Ertrag sichere Bundesanleihe 3,67 %, mit Zinsseszins 4,1 %

Verlust:

Totalverlust

Anlegerkreis:

Meist ältere unerfahrene Leute




2. ZERTIFIKAT MIT HOHER SICHERHEIT FÜR SICHERHEITSBEWUSSTE ANLEGER

Zertifikat ohne Kapitalerhalt:

Nun gibt es noch die andere Kategorie der Zertifikate, die einen Kapitalerhalt nicht gewährleisten. Dementsprechend war auch ein möglicher Ertrag höher. Ein höherer Ertrag besagt aber auch ein höheres Risko. Hier handelt es sich aber nur auf die Chance von einem Ertrag, also ein möglicher Gewinn war nicht zugesichert. Während bei einer fest verzinslichen Anleihe der Ertrag feststeht und der Investor ihn sicher vereinnahmen kann, ist der Ertrag bei Zertifikaten von der Entwicklung von Indexen abhängig. Bei den Zertifikaten ohne Kapitalerhalt gibt es noch einen weiteren Unterschied. Entwickeln sich die Indexe negativ über die vorgegebene Schwelle hinaus, hat der Investor nicht nur keinen Ertrag erwirtschaftet, sondern er kann  auch einen Teil von seinem eingezahlten Kapital verlieren.


PRODUKT:

"Lehman"-Zertifikat ohne Kapitalerhalt

http://www.siggy2000.de/Cobold/Zertifikat_ohne_Kapitalerhalt.pdf

gem. schriftlichen Informationen:





Realität:

Bei dem Zertifikat täuscht die Produktinfo eine hohe Sicherheit vor. Selbst wenn das Emittentenrisiko von Lehman außer Betracht gelassen wird, war in Wirklichkeit noch nicht einmal das eingezahlte Kapital sicher. Dieses verschweigt aber die Produktinfo. Stattdessen wird eine hohe Sicherheit angepriesen und als Zielgruppe sicherheitsbewußte Anleger aufgeführt. Hier bezog die Bafin sogar Stellung, während ich von anderen Fällen weiß, daß diese Behörde sich oftmals "in Stillschweigen" übt. Anbei Auszüge aus der Homepage des Bundes für soziales und ziviles Rechtsbewußtsein.

"Auch die Bundesaufsicht für Finanzen (BaFin) bestätigt nunmehr, dass es sich bei dem oft verkauften Lehman-Zertifikat „Global Champion Zertifikat“ (WKN A0MJHE) um eine unsichere Anlage handelt. "

".....dem Risiko nicht unerheblicher Kursschwankungen unterlag und deren Rückzahlungen bei einer für den Anleger ungünstigen Entwicklung der Aktienmärkte auch unterhalb des Nennbetrages möglich war."

http://www.siggy2000.de/Cobold/rechtsboerse.pdf

 

Rendite:

Als jährliche Ausschüttung wird 8,75 % bei entsprechender Kursentwicklung aufgeführt, aber auch dieses stimmt nicht. Die Laufzeit für den ersten Ausschüttungstermin berträgt 15 Monate. Bei 15 Monaten ist der wahre Jahreszins nur 7 Prozent und keine 8,75 %.  Und dann muß, wie oben geschildert, die festgelegte Kursentwicklung auch wirklich eingetreten sein. Bei negativer Entwicklung kann sogar das eingezahlte Kapital angegriffen werden.

Verlust:

je nach Entwiklung der Aktienmärkte

Anlegerkreis:

gem. Produkfino und den Aussagen der Geschädigten "sicherheitsbewußte Anleger"